Zitronengras Indoor: Exotisches Kraut selber ziehen
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Ein einzelner frischer Zitronengrasstängel kostet im Asia-Markt 1,50 Euro und wurzelt in einem Wasserglas innerhalb von 10 bis 14 Tagen. Aus einem Stängel lassen sich in einer Saison 20 bis 30 neue Halme ziehen, was den Selbstanbau wirtschaftlich deutlich überlegen macht.
Zitronengras (Cymbopogon citratus) gehört zu den dankbarsten Indoor-Kräutern, die du in deutschen Wohnungen ziehen kannst. Es verträgt Trockenheit, wächst schnell und liefert mit seinem zitrusartigen Aroma ein Kraut, das in der Thai- und Vietnamküche unverzichtbar ist.
Ausgangsmaterial: vom Supermarkt zur Pflanze
Der einfachste Weg führt über den Asia-Supermarkt. Dort gibt es frische Zitronengrasstängel mit 30 bis 50 cm Länge und intakter Basis. Wichtig ist die untere, leicht zwiebelförmige Verdickung. Diese muss komplett vorhanden sein, da hier die Wurzelknospen sitzen. Trockene, braune oder abgeschnittene Basis bedeutet keine Wurzelbildung.
Die oberen zwei Drittel werden auf 15 cm gekürzt, die äußeren trockenen Hüllblätter abgezogen. Dann kommt der Stängel in ein Wasserglas mit 5 cm Wassertiefe an einen hellen, warmen Standort (mindestens 20 Grad). Das Wasser wird alle 3 Tage gewechselt, um Fäulnis zu vermeiden. Nach 7 bis 14 Tagen erscheinen erste weiße Wurzeln.
Sobald die Wurzeln 3 bis 5 cm lang sind, kann der Stängel in Erde umgesetzt werden. Wer mit Saatgut arbeiten möchte, hat es schwerer: Zitronengras-Samen keimen schlecht und unzuverlässig. Vegetative Vermehrung über bewurzelte Stängel ist die Methode mit höchster Erfolgsquote.
Standort: viel Licht und Wärme
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Zitronengras kommt aus dem tropischen Südostasien und braucht entsprechend viel Helligkeit. Ein Süd- oder Westfenster mit 4 bis 6 Stunden direkter Sonne pro Tag ist ideal. An einem Nordfenster wächst die Pflanze nur kümmerlich und entwickelt blasse, schlaffe Halme.
Die optimale Temperatur liegt zwischen 22 und 28 Grad. Unter 15 Grad stellt die Pflanze ihr Wachstum komplett ein, unter 10 Grad sterben die Halme ab. Im Winter darf der Standort daher nicht zu kühl werden, auch nicht nachts. Fensterbänke über Heizkörpern sind allerdings ungeeignet wegen der zu trockenen Luft.
Im Sommer kann Zitronengras auf den Balkon oder die Terrasse umziehen. Bei stabilen Nachttemperaturen über 15 Grad wächst es draußen deutlich kräftiger und liefert mehr Erntemaße als drinnen. Vor dem ersten Frost im Herbst muss die Pflanze unbedingt zurück ins Warme.
Substrat und Topfwahl
Zitronengras wächst in einer Mischung aus 60 Prozent Gemüseerde und 40 Prozent grobem Sand oder Perlite am besten. Diese Kombination liefert genug Nährstoffe, drainiert aber überschüssiges Wasser zuverlässig ab. Reine Blumenerde wird in den dichten Wurzelballen schnell zu kompakt und führt zu Wurzelfäule.
| Topfgröße | Anzahl Stängel | Ertrag pro Saison | Eignung |
|---|---|---|---|
| 15 cm Durchmesser | 1 Startstängel | 8-12 Halme | Fensterbank, kleine Küche |
| 25 cm Durchmesser | 2-3 Startstängel | 20-30 Halme | Standardhaushalt |
| 40 cm Durchmesser | 4-5 Startstängel | 50-80 Halme | Vielkocher, asiatische Küche |
Der Topf sollte ein Drainage-Loch haben und tiefer als breit sein, weil Zitronengras tiefreichende Wurzeln bildet. Tontöpfe sind besser als Plastik, weil sie überschüssige Feuchtigkeit über die Wand verdunsten lassen. Nach 2 Jahren sollte umgetopft werden, da der Wurzelballen sonst den ganzen Topf ausfüllt und die Wassergaben praktisch sofort wieder ablaufen.
Gießen und Düngen
Zitronengras mag es feucht, aber nie nass. Die obere Substratschicht (etwa 2 cm) sollte zwischen den Gießgängen leicht antrocknen. Im Sommer bedeutet das je nach Temperatur und Topfgröße alle 2 bis 4 Tage gießen, im Winter alle 7 bis 10 Tage. Wichtig ist, dass kein Wasser im Untersetzer stehen bleibt.
Gedüngt wird von April bis September alle 14 Tage mit einem stickstoffbetonten Flüssigdünger (NPK 7-3-3 oder Kräuterdünger). Stickstoff fördert die Halmbildung und das aromaintensive Wachstum. Im Winter wird die Düngung pausiert. Eine zusätzliche Gabe von Hornspänen einmal pro Saison verbessert die Nährstoffversorgung nachhaltig.
Ernten und in der Küche verwenden
Geerntet wird ab Halmstärke 1 cm direkt an der Basis mit einem scharfen Messer. Wichtig: nie alle Halme gleichzeitig schneiden, immer mindestens 50 Prozent stehen lassen, damit die Pflanze sich regenerieren kann. Die geernteten Halme halten in feuchtem Küchenpapier im Kühlschrank 2 Wochen, im Tiefkühlfach 6 Monate.
Für asiatische Curries werden nur die unteren 10 cm verwendet, da hier das Aroma am intensivsten ist. Die oberen Halmteile sind zäher, eignen sich aber gut für Tees oder zum Aromatisieren von Brühen. Vor der Verwendung werden die äußeren Hüllblätter abgezogen und der Stängel mit dem Messerrücken angedrückt, damit die Aromaöle freigesetzt werden.
Wer mehr über Indoor-Kräuteranbau lesen will, findet im Pflanzenlampen-Guide die passenden Beleuchtungs-Setups für die Wintermonate.
Häufige Probleme und Lösungen
Gelb-braune Spitzen deuten meist auf zu trockene Raumluft oder zu wenig Wasser hin. Eine Schale mit Tonkugeln und Wasser neben dem Topf erhöht die Luftfeuchte und behebt das Problem in wenigen Tagen. Bei massivem Befall mit Spinnmilben (typisch bei Heizungsluft) hilft ein gründliches Abduschen der Halme alle 3 Tage über 2 Wochen.
Wenn die Pflanze nach dem Umtopfen nicht mehr austreibt, liegt es fast immer an zu tiefer Pflanztiefe. Die Basis (die Zwiebel) muss zu zwei Dritteln aus dem Substrat herausschauen. Wird sie zu tief gesetzt, fault die Wachstumszone ab. Bei stagnierendem Wachstum trotz guter Bedingungen kann eine Düngerpause helfen: zu viel Stickstoff verbrennt die Wurzeln.
Pilzbefall zeigt sich an weißlichen Belägen an der Halmbasis und tritt bei zu hoher Substratfeuchte und schlechter Luftzirkulation auf. Hier hilft Umtopfen in frische Erde, ein größerer Abstand zu Nachbarpflanzen und reduziertes Gießen über 2 bis 3 Wochen. Eine Behandlung mit verdünnter Schmierseifen-Lösung (10 ml auf 1 Liter Wasser) hemmt das Pilzwachstum zusätzlich.
Was sich in der Praxis bewährt
Zwei oder drei Asia-Markt-Stängel im 25-cm-Topf am Südfenster, gleichmäßig feucht halten, alle 2 Wochen düngen, im Sommer raus auf den Balkon. Diese Kombination liefert in einer Saison genug Zitronengras für rund 25 Currys. Wer in einer Mehrpersonenhaushalt täglich asiatisch kocht, skaliert auf den 40-cm-Topf.
Die Pflanze ist erstaunlich robust und verzeiht Anfängerfehler, solange die Grundregeln stimmen: viel Licht, regelmäßiges Wasser, ausreichend Wärme. Zitronengras im Topf ist deutlich günstiger und frischer als gekauftes, und das Aroma der eigenen Ernte ist nicht mit Supermarktware zu vergleichen. Ein lohnenswertes Projekt für jede sonnige Fensterbank, das schon nach 6 Wochen die ersten Erträge liefert und sich dann jahrelang selbst trägt.
Veröffentlicht durch die PflanzenPraxis-Redaktion. Veröffentlicht am 5. September 2026.
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