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Bonsai gießen: Wie oft und mit welchem Wasser

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Bonsai gießen: Wie oft und mit welchem Wasser

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Ein Bonsai in einer 25 Zentimeter breiten Schale trocknet im Hochsommer in 6 bis 8 Stunden komplett aus. Im Winter dauert derselbe Vorgang 3 bis 5 Tage. Wer nach festem Zeitplan giesst, schadet der Pflanze garantiert. Das Geheimnis steckt im Pruefen, nicht im Kalender.

Falsches Giessen ist die Todesursache Nummer eins bei jungen Bonsai-Besitzern. Entweder vertrocknen die feinen Wurzelhaare, weil zu lange nicht gegossen wurde, oder die Wurzeln faulen durch staendige Naesse. Beide Fehler sind vermeidbar, sobald die Mechanik klar ist.

Warum Bonsai anders gegossen werden als Zimmerpflanzen

Ein Bonsai lebt in einer extrem flachen Schale mit nur 3 bis 8 Zentimeter Substrattiefe. Das Volumen liegt typisch zwischen 300 Milliliter und 2 Litern, also einem Bruchteil dessen, was eine vergleichbar grosse Zimmerpflanze in einem Standardtopf hat. Diese geringe Erdmenge speichert dementsprechend wenig Wasser.

Bonsai gießen: Wie oft und mit welchem Wasser — practical guide overview
Bonsai gießen: Wie oft und mit welchem Wasser

Gleichzeitig ist Bonsai-Substrat sehr durchlaessig: Akadama, Kiryu, Bims und Lavagranulat halten Feuchtigkeit nur kurzfristig fest und entlassen Überschuss schnell. Das verhindert Wurzelfaeule, bedeutet aber auch, dass die Wurzeln bei zu seltener Wasserzufuhr binnen Stunden austrocknen können.

Die wichtigste Regel: Pruefen statt Plan. Echte Bonsai-Gaertner schauen taeglich einmal in die Schale, fuehlen das Substrat mit dem Finger oder pruefen das Gewicht der Schale. Erst wenn die obere Schicht 1 bis 2 Zentimeter tief abgetrocknet ist, wird gegossen.

Wie oft giessen pro Jahreszeit

Die Giessfrequenz schwankt extrem zwischen Sommer und Winter. Im Hochsommer kann eine taegliche Wassergabe noetig sein, bei Hitze und Wind sogar zweimal taeglich. Im Winter kommen 5 bis 10 Tage zwischen den Wassergaben vor, bei Frost wird gar nicht gegossen.

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Bonsai gießen: Wie oft und mit welchem Wasser
JahreszeitFrequenzTageszeitWassermenge
FruehlingAlle 2 bis 4 TageMorgensDurchdringend giessen
SommerTaeglich, bei Hitze 2xMorgens und abendsReichlich, bis Wasser ablaeuft
HerbstAlle 3 bis 5 TageMittagsMaessig, weniger Verdunstung
WinterAlle 5 bis 10 TageMittags, über 5 GradSparsam, kein Frost
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Die richtige Wasserqualität

Die Wasserart ist kein Spleen, sondern eine echte Frage der Pflanzengesundheit. Leitungswasser variiert je nach Region stark in Haerte und pH-Wert. In Suedbayern oder Sachsen-Anhalt liegt die Wasserhaerte oft über 20 Grad dH, was den pH des Substrats langfristig nach oben treibt und Naehrstoffmangel ausloest.

Ideal ist Regenwasser. Es ist von Natur aus weich, leicht sauer (pH 5,5 bis 6,5) und enthaelt keine überfluessigen Mineralien. Eine 50-Liter-Regentonne auf dem Balkon oder im Garten reicht für 5 bis 10 mittelgrosse Bonsai. Im Winter wenn Regenwasser fehlt, einfach Leitungswasser 24 Stunden offen stehen lassen, damit Chlor entweicht.

Wer Leitungswasser über 15 Grad dH hat, sollte alle 3 bis 4 Monate mit destilliertem oder Osmosewasser durchspuelen, um Salzablagerungen zu loesen. Ein 5-Liter-Kanister destilliertes Wasser kostet etwa 2 Euro im Baumarkt.

💡 Gut zu wissen: Die Brausekanne mit feinem Aufsatz ist Pflicht-Equipment. Wer mit dem dicken Strahl giesst, schwemmt das Substrat aus der Schale und legt die Oberflaechenwurzeln frei. Empfehlenswert ist eine 1 bis 2 Liter Brause-Giesskanne mit Messingaufsatz, die haelt 10 Jahre und kostet 20 bis 30 Euro.

Die richtige Giesstechnik

Wenn gegossen wird, dann richtig. Das gesamte Substrat muss durchnaesst werden, bis das Wasser am Schalenboden ablaeuft. Kurz auf die Oberflaeche giessen und gut ist gibt es nicht. Bei trockenem Substrat bilden sich Wasserabweisungsschichten, die das Wasser an den Wurzeln vorbeileiten.

So gehst du vor: Zwei Mal hintereinander durchdringend giessen. Beim ersten Durchgang nimmt das Substrat einen Schwapp auf, dann sickert das Wasser durch die Loecher in der Schale ab. 30 Sekunden warten, dann nochmal giessen, jetzt saugt sich das Substrat richtig voll. Das Wasser sollte sichtbar aus den Drainage-Loechern fliessen.

Bonsai gießen: Wie oft und mit welchem Wasser — helpful reference illustration
Bonsai gießen: Wie oft und mit welchem Wasser

Bei sehr trockenem Substrat hilft auch das Tauchverfahren: Die ganze Schale in einen Eimer mit lauwarmem Wasser stellen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen (3 bis 5 Minuten). Dann abtropfen lassen. Das funktioniert besonders gut, wenn du in den Urlaub gefahren bist und der Bonsai zurückwacht.

⚠️ Häufiger Fehler: Mittags bei praller Sonne zu giessen, brennt die Blaetter. Wassertropfen wirken wie Lupen und verursachen Verbrennungen, besonders bei feinen Nadeln von Kiefern oder Wacholder. Immer morgens vor Sonnenaufgang oder abends nach Sonnenuntergang giessen.

Drainage und Schalenwahl als Giess-Faktor

Bevor du an der Giessfrequenz herumprobierst, lohnt sich ein Blick auf die Schale. Die meisten verkauften Anfaenger-Bonsai stehen in Toepfen mit nur einem winzigen Drainage-Loch oder ganz ohne. Das ist eine Garantie für Wurzelfaeule, weil überschuessiges Wasser nicht abfliessen kann.

Eine ordentliche Bonsai-Schale hat mindestens 2 grosse Drainage-Loecher (bei Schalen über 25 Zentimeter sogar 3 oder 4), über denen ein feines Plastiknetz gespannt liegt. Dieses Netz verhindert, dass Substrat herausfaellt, laesst aber Wasser frei durchstroemen. Ein Indikator für gute Drainage: Wenn du giesst, sollte Wasser innerhalb von 30 Sekunden unten ablaufen.

Substratqualität beeinflusst die Drainage massiv. Reine Blumenerde verdichtet sich nach 3 bis 6 Monaten und behindert dann den Wasserabfluss. Eine Mischung aus 60 Prozent Akadama, 20 Prozent Kiryu und 20 Prozent Bims bleibt jahrelang luftig und drainagefaehig.

Anzeichen falschen Giessens erkennen

Bonsai signalisieren Wasserprobleme deutlich, wenn du die Sprache der Blaetter verstehst. Welke, schlaffe Blaetter können sowohl Wassermangel als auch Wurzelfaeule bedeuten. Der Unterschied: Bei Trockenheit sind die Blaetter trocken-spread, bei Faeule weich-feucht.

Gelbe Blaetter, die ploetzlich abfallen, deuten auf Wurzelfaeule durch Überwaesserung. Schwarze Triebspitzen und vertrocknete Blattraender zeigen chronische Trockenheit. Wenn die Schale leicht ist und die obere Substratschicht hart und grau wirkt, ist es Zeit zum Giessen. Wenn das Substrat dauerhaft glaenzend nass aussieht, drainiert die Schale nicht richtig.

Falls dein Bonsai trotz richtigem Giessen kraenkelt, lies auch den Pflege-Einsteiger-Guide für Bonsai. Oft liegen die Ursachen woanders, etwa beim Standort oder der Schalengroesse.

Was sich in der Praxis bewaehrt

Die Faustregel für Bonsai-Anfaenger: Lieber einmal pro Tag in die Schale schauen als zweimal pro Woche giessen. Mit dem Daumen einen Zentimeter tief ins Substrat druecken, fuehlt es sich trocken an wird gegossen, fuehlt es sich kuehl-feucht an wartest du noch einen Tag.

In den ersten 3 Monaten gehst du diesen Check jeden Morgen durch. Nach dieser Eingewöhnung entwickelt sich automatisch ein Gefuehl für die Schale und die Jahreszeit. Investiere die 30 Sekunden taeglich. Sie entscheiden zwischen einem 15 Jahre alten Praechtigkeitsstueck und einem zweiten oder dritten Versuch nach gescheiterten Pflanzen. Bonsai sind langfristige Begleiter, und Giessen ist die Basis-Disziplin schlechthin.

Veröffentlicht durch die PflanzenPraxis-Redaktion. Veröffentlicht am 7. Juli 2026. Aktualisiert am 14. August 2026.

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